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verfasst von DasNordlicht

Einige Kommentare zur Broschüre "welche Schule für mein Kind" der Landesregierung Schleswig-Holstein vom 08.01.2010

Aus meiner Sicht als betroffenes Elternteil versucht die aktuelle Landesregierung von Schleswig-Holstein nun eine Rückwärtsrolle hin zulegen. Ok Rückschritte ist eine Art der Bewegung, aber nach Pisa und sonstigen Vergleichen wohl nicht sie richtige Richtung. Die letzte Regierung konnte sich nicht riechen, aber es bewegte sich wenigstens langsam vorwärts.

Heute ist mir die Broschüre "welche Schule für mein Kind" ausgehändigt worden. Nach dem schon die Anmeldeorgie an die weiterführenden Schulen eine Zumutung für die Eltern ist, bin ich schon entsprechend eingestellt.

Herr Dr Ekkehard Klug bringt es auch schon im zweiten Satz auf den Punkt:

Bildung ist ein Thema, dem alle gesellschaftlichen Kräfte eine hohe Priorität geben müssen. Nicht zuletzt von der Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler sowie vom Engagement der Lehrkräfte und der Eltern wird es abhängen, was in der Bildung erreicht werden kann.

Die Bildung der Eltern und damit wohl auch leider das nötige Kleingeld, bleibt eine entscheidende Größe in der Entwicklung der Kinder!

Es geht munter weiter mit dem Rückbau der Schulreform unserer letzten Regierung:

Für die Gemeinschafts- und Regionalschulen werden wir die Möglichkeiten der Schulgestaltung erweitern und die bisher starren Vorgaben öffnen. So sollen zum Beispiel kleine Regionalschulen, die die vorgegebene Trennung von Hauptschul- und Realschulzweig nicht umsetzen können, die Möglichkeit erhalten, in stärkerem Maße binnendifferenziert zu unterrichten.

Dies bedeutet das es wohl demnächst keinen Unterschied mehr geben soll ob ein Kind nun an einer Regionalschule oder Gemeinschaftsschule beschult wird. Nur das eine Realschule keine Gymnasiallehrer beschäftigen kann, was bei einer Gemeinschaftsschule vorgesehen ist. So kann man aus einem gescheiterten Schulversuch der CDU eine, wenn auch nicht richtig vollwertige Realschule zaubern. Denn viele Hauptschulen sind zu Regionalschulen aufgestiegen, ohne das sich bei dem alt gedienten Kollegium innerhalb der letzten beiden Jahre viel verändern konnte. Es wird sich erst nach den Abschlüssen zeigen wie der Arbeitsmarkt diese Schulform bewertet.

Gemeinschaftsschulen hingegen müssen sich nicht mehr wie bisher auf das binnendifferenzierte Unterrichtsmodell fixieren. Sie werden künftig auch abschlussbezogene Jahrgangsklassen einrichten können ...

Dies ist wohl mit der Wiedereinführung der Realschulen gleichzusetzen und damit hat die Reform keinen Nutzen gebracht. Danke schön. Was soll nun eine Gemeinschaftsschule ohne gemeinschaftlichen Unterricht verschieden starker Kinder sein? Ist das eine "Getrenntschule"? Wo ist hier noch die Möglichkeit möglichst vielen Kindern den besten möglichen Abschluss zu ermöglichen?

Leider geht die Rolle rückwärts Politik noch einen Schritt weiter, diesmal bis in das Jahr 1990

Weil Gemeinschaftsschulen mittlerweile in einigen Teilen des Landes neben den Gymnasien die einzige weiterführende Schulart sind, sollen auch sie den Status „örtlich zuständige Schule“ erhalten.

Dieser hier genutzte Ausdruck „örtlich zuständige Schule“ kommt aus dem Schulgesetz von 1990 (§44 SchulG) und ist in der aktuelle Fassung vom 24. Januar 2007 im §44 SchulG so nicht mehr vorgesehen. Damit sollen wohl die Schulbezirke wieder eingeführt werden und die freie Schulwahl und somit der Wettbewerb der Schulen untereinander, wieder beendet werden. Nur Wettbewerb hat den wenigsten geschadet, durch solche Maßnahmen so wie durch das Abschaffen des Schul-TÜV (EVIT) wird den Schulen eine wichtige Entwicklungsmöglichkeit genommen.

Die G8/G9 Rolle rückwärts erspare ich mir und meinen Lesern an dieser Stelle. Hier wird nur ein weiteres mal das System durcheinander gewürfelt und die Profiloberstufe in Frage gestellt. Aber der letzte Absatz seines Vorwortes hat schon tragische Züge nach dem am Anfang alle Reformen ReReformiert worden sind:

Denn nach den massiven Umstrukturierungen unserer Schullandschaft brauchen die Schulen jetzt Zeit und Ruhe, um vernünftig arbeiten zu können. Diese Zeit wollen wir allen Beteiligten lassen.

Also Ruhe durch Rücknahme sinnvoller Veränderungen und Verunsicherung der Eltern des aktuellen Schulwechseljahrgangs? Das ist wohl nicht der richtige Weg. Warum laufen uns denn Länder mit längerer gemeinsamer Schulzeit und Team orientiertem Lernen in gut ausgestatteten Schulen den Rang in allen Vergleichsstudien ab? Bestimmt nicht weil jeder Ansatz einer Schulreform zu Tode gespart wird und an längst überholten Zöpfen aus Zeiten der Industrialisierung festgehalten wird. Fließbandarbeiter werden nicht mehr wirklich in dieser Anzahl benötigt, das aktuelle und zukünftige Arbeitsleben unserer Kinder ist durch komplexere Arbeitsabläufe und Kreativität so wie analytischen Denkprozessen geprägt. Die einfachen Tätigkeiten an Fertigungsstraßen sind leider nicht mehr in Deutschland zu finden, diese sind mittlerweile in Niedriglohn Länder verlagert worden. In Deutschland und Europa wird man eine Familie nur noch durch als qualifizierte Fachkraft ernähren können.

Ich stimme Ihnen zu das unser Bildungssystem ein ruhigeres Fahrwasser benötigt. Wichtiger ist aber ein bundeseinheitliches Bildungssystem, in denen die Länder nichts mehr zu sagen haben. Bildung gehört in Bundeshand, auch wenn man von der dort zuständigen  Regierung genauso wenig zu erwarten hat. Durch solche Entscheidungen wird das Vertrauen der Eltern in das aktuelle Schulsystem nicht gestärkt werden, so wird es Jahr für Jahr mehr Anmeldungen an den Gymnasien geben und dort wird immer stärker gesiebt werden um die Qualität des Abiturs angemessen zu erhalten. Dieses sieben ist nicht im "Interesse der Schülerinnen und Schüler", so werden immer mehr Kinder einen weiteren Schulwechsel über sich ergehen lassen müssen. Misserfolge motivieren irgend wie nicht richtig.

Meine Vision des deutschen Schulsystems ist eine bis zur 9. Klasse zusammen lernende Gemeinschaft von Kindern in kleinen Jahrgangsübergreifenden Gruppen, in der immer Schüler aus drei Jahrgängen zusammen lernen. So lernen die jungen Schüler von den älteren und ältere Schüler vermitteln ihren gelernten Unterrichtsstoff an die jüngeren. Kinder lernen viel schneller von älteren Kindern als von Erwachsenen Lehrern, in den heute vorherrschenden Kleinfamilien in Deutschland ist dies zuhause leider nicht mehr möglich.

Ich werde mir nun die weiteren 6 Seiten dieser Broschüre durchlesen und bin gespannt welche Überraschungen mich dort noch erwarten.

Kluge Entscheidungen sehen anders aus.

 

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