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Mein leben mit dem Netz, gelebte Netzpolitik in kleinen Schritten.

Ich lebe im Netz, denn ich bin schon seit 1982 im Netz aktiv. Damals war es noch eine Mailbox danach das UseNet und irgend wann mal das WWW in Form eines geschlossenen Gartens namens Compuserv oder AOL. Danach gab es DSL und damit einen günstigen Zugang zur Informationswolke Internet um immer on zu sein. Das Netz wurde schneller und eine Suchmaschine nach der anderen entstand. Die bunte Welt der Internetseiten war damals noch recht Top Down, also Anbieter zu Nutzer ausgerichtet. Eine Interaktion zwischen Anbieter und Leser war auf das Gästebuch beschränkt, so wie heute noch Zeitung funktioniert. Die Zeiten verbesserten sich als Seiten Kommentare ermöglichten, Blog Software als Dienst im Netz entstand für die man keinen eigenen Speicher benötigte und der größte Wandel war wohl die Einführung von Facebook.

Alles diese Entwicklungen habe ich mitgemacht und lebe seit dem hier im Netz. Einen sehr großen Beitrag meiner Entwicklung habe ich Stefan Münz und seinem Werk SelfHTML zu verdanken. Den zweiten großen Schritt hat das Zikula Projekt dazu bei getragen. Dort habe ich verstanden wie man in virtuellen Arbeitsgruppen mit dem Netz zusammen arbeiten kann.

Nun ist mein Junior schon Netzaktiv und ich in Vereinen im Ort tätig, war Elternvertreter und betreue noch heute eine Schulhomepage. Da hilft es wenn man an einer zentralen Stelle Informationen liegen hat auf die man einfach zugreifen kann, die allen in einer bestimmten Arbeitsgruppe zur Verfügung stehen und die man jederzeit bearbeiten kann. Hierzu habe ich mir meine kleine digitale Welt geschaffen, sie besteht aus drei zentralen Diensten:

  1. Dropbox, hier kann man leicht Daten über verschiedene Rechner synchronisieren.
  2. Google, dieses liefert mir meine Kalender und synchronisiert mir meine Kontakte.
    Mit Docs bzw. nun Drive habe ich dort auch die Möglichkeit Dokumente im Netz zu bearbeiten und mit mehreren Bearbeitern zeitgleich zu erstellen. Nicht optimal aber relativ einfach.
  3. Einem eigenen Server im Netz auf dem ich diverse Anwendungen hoste, z.B. einen Umfrageserver, eine Projektverwaltung, WebMail, einen PAD Server und natürlich auch meine Blogwelt.

Leider ist diese schöne kleine Welt gefährdet, denn auf der einen Seite wollen Unternehmen, deren Dienste ich meist kostenlos in Anspruch nehme damit langsam mal Geld verdienen, denn wer kann schon davon leben Werbung zu schalten die dann vom AdBlocker beim Kunden abgefangen wird?

Auf der anderen Seite gibt es die Politik, deren Paranoia so groß geworden ist das sie den Feind hinter jeder Ecke vermutet. Der dritte Mitspieler ist der Datenschutz in der „Cloud“, wer sichert mir zu das die Daten die ich dort ablege auch wirklich nur von mir und den berechtigten Empfängern genutzt werden?

Also werde ich den Punkt Datenschutz so wie den Wunsch für die Dienste Geld zu verlangen entgegen treten in dem ich einige meiner Dienste in der kommenden Zeit in eine eigene Cloud verlagere. Hierzu versuche ich mich an der ownCloud, muss aber leider sagen das es noch lange nicht soweit ist hier ein produktives System zu haben. Es fängt bei der Oberfläche an, geht über die nicht vollständig logische Bedienung weiter und endet an der doch recht trägen Reaktion. Was bleibt ist erst mal die Google Welt weiter nutzen und mit meinen Daten bezahlen.

In dieser Situation hinein wächst mein Junior auf, er kennt die Vorzüge des vernetzten Arbeitens schon bei den Hausaufgaben, Referate werden nur noch online zusammen gestellt und vorbereitet, Texte werden online geschrieben und dann schön der Tradition des Internetausdruckers folgend, in eine für Lehrer nutzbare Form gebracht. Der Kampf mit Lehrern und Eltern erweist sich als Kampf gegen Windmühlen, angefacht durch Medienberichten und Technik feindlichen Politikern die wird eine Netz feindliche Stimmung erzeugt die es sehr schwer macht moderne und sinnvolle Arbeitsweisen zu etablieren. Damit wir hier in Deutschland nicht vollständig zu einem digitalen Entwicklungsland degenerieren ist es notwendig das positive Netzpolitik betrieben wird. Das fängt schon dort an wo sich Menschen im realen Leben treffen. Wir als Netzbewohner müssen das positive heraus stellen, wir müssen den Skeptikern zeigen das die neue Arbeitsweise eine bessere Zusammenarbeit ermöglicht. Wir müssen es vorleben und zeigen das das Netz zwar ein zentraler Bestandteil unseres Lebens ist, wir uns aber davon nicht beherrschen lassen, sondern wir diese Technik beherrschen.

Was kann so schlimm daran sein wenn sich Schulen mit über 1200 Schülern, die zudem noch in zwei Standorten aufteilen, sich für Google for Education zu bewerben? Ja natürlich würde ich einen deutschen Anbieter eine Chance geben, aber wo ist dieser? Hier hat die deutsche Wirtschaft und auch die deutsche Politik geschlafen. In Deutschland muss alles bis ins letzte geplant und abgesichert sein, es müssen Zertifikate vorliegen und alles muss „sicher“ sein. Deutschland, so wird das nichts, Ihr großen Anbieter nehmt Geld in die Hand uns spendet es der Gemeinschaft für eine bessere Bildung in unserem Land. Setzt doch einfach ein paar euer Mitarbeiter ein um einen Zukunftsmarkt zu schaffen und bietet den deutschen Schulen kostenlos eine entsprechende Cloud Lösung an.

Netzpolitik ist eben nicht nur eine Politik in der es um Regeln im Netz geht, es ist eine Politik die unsere Gesellschaft verändert und gestaltet. Wir können nicht warten bist unsere Berufspolitiker diese verstanden haben, denn viele dieser haben noch Jahre im Amt und Einfluss, dann ist die digitale Revolution über uns hinweg gerollt und wir wurden von ihr gestaltet. Werdet selber aktiv und bohrt die dicken Bretter in euer Umgebung. Gestaltet die Gesellschaft um euch herum, im Verein, in der Schule im Betrieb. Wenn jemand fragen hat beantwortet diese und zeigt wie das Netz dafür die passenden Antworten findet.

Betreibt Netzpolitik durch eurer handeln.

Autor: Radzio Frank

Jahrgang 66, ein Nordlicht das seine Wurzeln im Ruhrgebiet hat und seit 2001 im hohen Norden lebt und arbeitet. Mein Blog findet Ihr unter http://bloglich.de

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